Das ehemalige Kaufhaus Schocken beherbergt heute das smac. Foto: smac/Robert Grünberg
Das Kaufhaus Schocken ist ein Begriff in Chemnitz. Nach seiner Sanierung beherbergt es heute das archäologische Landesmuseum Sachsens (smac). Zum Tag des offenen Denkmals gewährt es einen Blick in die Vergangenheit.
Zum Tag des offenen Denkmals am 13. September lädt das smac - Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz - zu drei kostenlosen Führungen durch sein ikonisches Museumsgebäude ein, das einmal das Kaufhaus Schocken war.
Das Kaufhaus Schocken
Das Kaufhaus Schocken in Chemnitz zählt mit seiner geschwungenen Fassade und den horizontalen Fensterbändern zu den bedeutendsten Architekturdenkmälern der Klassischen Moderne. Der in Allenstein gebürtige Architekt Erich Mendelsohn (1887–1953) entwarf das Chemnitzer Kaufhaus 1927 für den Warenhauskonzern der Gebrüder Salman und Simon Schocken. Schon Anfang der 1920er Jahre erlangte der Architekt vor allem mit seinen geschwungenen Stromlinien-Entwürfen und Ausführungen in Stahlbetonbau Weltruhm als Pionier des "Neuen Bauens". Die Innenausstattung des Kaufhauses plante Bernhard Sturtzkopf (1900-1972), der unter Walter Gropius am Bauhaus in Weimar studiert hatte. Das Haus verfügte über die erste Rolltreppe in Chemnitz.
Das Kaufhaus Schocken wurde am 15. Mai 1930 eröffnet. Zu dieser Zeit war Schocken die viertgrößte Warenhauskette Deutschlands, mit allein über 20 Filialen in Sachsen. Weitere Kaufhäuser existierten u.a. in Auerbach, Crimmitschau, Freiberg, Lugau, Pforzheim, Regensburg, Stuttgart, Augsburg, Bremerhaven, Waldenburg (Schlesien). Die Nationalsozialisten hetzten bereits in den 1920er-Jahren gegen die als „jüdisch“ stigmatisierten Warenhäuser , ganz besonders gegen das Kaufhaus Schocken.
Um als "arisiert" z gelten, übernahm 1936 eine britische Bankengruppe die Mehrheit des Besitzes. Eine starke Minderheit und ein Teil des Grundbesitzes verblieben in der Hand von Salman Schocken. Nach einem Boykott gegen alle jüdische Geschäfte wurde Ende 1938 der Konzern an eine deutsche Bankengruppe verkauft und damit faktisch enteignet. Das Unternehmen firmierte unter Merkur Aktiengesellschaft.
Mit dem Volksentscheid in Sachsen 1946 wurden alle sächsischen Filialen der Merkur AG zu Gunsten des Landes Sachsen enteignet. Alle Geschäfte wurden der Industrieverwaltung 64 – Kauf- und Warenhäuser unterstellt und 1948 dem Verband Sächsischer Konsumgenossenschaften zugeschlagen. Aus dem Chemnitzer Kaufhaus Schocken wurde erst ein HO-Warenhaus und ab 1965 das erste Centrum Warenhaus der DDR.
Während seiner über 70-jähriger Nutzung als Warenhaus - schließlich von 1990 bis 2001 als Kaufhof geführt - verfiel das Gebäude zunehmend. In den 2010er Jahren wurde es saniert und ist seit Mai 2014 als archäologische Landesmuseum des Freistaats Sachsen für alle wieder zugänglich.
Dem besonderen Gebäude und seiner Biografie widmet das smac drei eigenständige Ausstellungsbereiche: Dem Architekten Erich Mendelsohn, dem Schocken-Kaufhauskonzern sowie dem Konzernmitbegründer Salman Schocken., der 1934 nach Palästina emigrierte.
Mehr zur Gschichte finden Sie auch unter www.smac.sachsen.de
Führungen durchs Haus
Termine: Sonntag, 13. September 2026, um 11 Uhr / 13 Uhr / 15 Uhr
Ort: smac, Stefan-Heym-Platz 1, 09111 Chemnitz
Treffpunkt: Foyer
Anmeldung möglich unter buchung@smac-shop.de
Architektin Martina Wutzler ordnet bei den Führungen das Gebäude in die Architekturepochen von Bauhaus und Klassischer Moderne ein. Die Teilnehmenden erkunden dabei Bereiche, die sie bei einem Museumsbesuch nicht betreten können. Sie begehen unter anderem die Treppenhäuser bis zur 8. Etage. Die Teilnehmenden können dabei einen Blick auf die Terrasse und die Aussicht von hier werfen.
Unabhängig vom Tag des offenen Denkmals können Sie das smac zu folgenden Öffenugszeiten besuchen:
- Di - Fr 09 - 17 Uhr
- Do 09 - 20 Uhr
- Sa - So 10 - 18 Uhr
Jeden letzten Freitag im Monat zwischen 15 und 17 Uhr lädt das smac zur "Stillen Stunde" ein. Selbstverständlich ist das Museum dennoch für jeden und jede geöffnet. In diesem Zeitfenster sollte jedoch das Ruhebedürfnis der Nutzer der Stillen Stunde respektiert werden.
Der Eintritt ins Museum kostet regulär acht Euro.
Knapp am Plakatmotiv vorbei
Das Kaufhaus Schocken stand zur Auswahl für das Plakatmotiv des deutschlandweiten Tages des offenen Denkmals 2026. Es zahlte in das diesjährige Motto "NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur" ein, das Bauten der Versorgung, der Verbindung und des Verkehrs umfasst. Leider ist es wieder herausgefallen.