Lämmels Menükarten-Sammlung für Archiv der Kulinarik

Die Sammlung von Reinhard LÄmmel umfasst über 1500 Menükarten, auch diese zur Erinnerung an das Fest Bankett des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen in Schandau, Sächsische Schweiz, um 1900. Foto: Ramona Ahlers-Bergner

Die Sammlung von Reinhard LÄmmel umfasst über 1500 Menükarten, auch diese zur Erinnerung an das Fest Bankett des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen in Schandau, Sächsische Schweiz, um 1900. Foto: Ramona Ahlers-Bergner

Die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek SLUB übernimmt die wertvolle Menükarten-Sammlung des verstorbenen Dresdner Kochs Reinhard Lämmel für das Deutsche Archiv der Kulinarik

Das Deutsche Archiv der Kulinarik freut sich über einen hochkarätigen Neuzugang: Die Witwe des im vergangenen Jahr verstorbenen Kochs, Publizisten und Sammlers Reinhard Lämmel (1950-2025) übergibt dessen umfangreichen Nachlass - eine Sammlung von Menükarten - an die SLUB Dresden.

Die Sammlung Lämmel

Mit rund 1.500 historischen Menü- und Speisekarten aus dem 19. und 20. Jahrhundert ergänzt die Sammlung Lämmel die Bestände zur regionalen Gastronomiegeschichte Sachsens. Von besonderer Bedeutung sind kunstvoll gestaltete sächsische Menükarten aus der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert sowie Menü- und Speisekarten aus Dresdner Interhotels der 1960er und 1970er Jahre wie dem Hotel Bellevue, das seit 1985 die exquisite Küche der DDR prägte und in dem Reinhard Lämmel selbst als Spitzenkoch tätig war.

Menükarte Silvester 1974 aus dem Interhotel Motel Münzmeisterstraße, Dresden. Foto: Ramona Ahlers-Bergner)
Menükarte Silvester 1974 aus dem Interhotel Motel Münzmeisterstraße, Dresden. Foto: Ramona Ahlers-Bergner)

"Mein Mann war mit großer Leidenschaft Sammler. Er hat über Jahrzehnte hinweg mit tiefem Verständnis und großer Leidenschaft Speise- und Menükarten zusammengetragen, hat ihre Herkunft erforscht und seine Begeisterung für Esskultur mit anderen geteilt. Seine Sammlung ist weit mehr als eine Anhäufung von Dokumenten – sie bildet eine lebendige Chronik der Gastlichkeit und der kulinarischen Trends verschiedener Epochen ab. Mit der Übergabe an die SLUB Dresden wird dieses kulturhistorische Erbe nun für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Deutsche Archiv der Kulinarik ist der ideale Ort, um diese wertvollen Zeitzeugnisse zu bewahren. Dafür bin ich sehr dankbar, so seine Witwe Liane Lämmel betont. 

Der Nachlass von Reinhard Lämmel wird nun bibliothekarisch erschlossen und steht damit für die Recherche zur Verfügung. Forschende können die Sammlung für die wissenschaftliche Nutzung im Lesesaal Sammlungen in der SLUB Zentralbibliothek einsehen.

Reinhard Lämmel: Koch, Kritiker und Sammler

Nach seiner Lehre als Koch im Interhotel Astoria Dresden war Reinhard Lämmel (1950-2025) viele Jahre lang Küchenchef in einigen der renommiertesten Häuser Sachsens, darunter im Hotel Bellevue Dresden. Nach Stationen im Interhotel Kongreß in Karl-Marx-Stadt und als Maitre im Italienischen Dörfchen sowie Auslandsaufenthalten in Budapest und Istanbul führte er von 1996 bis 2001 die Schlossküche auf Schloss Weesenstein. Unter seiner Leitung wurde das Restaurant mit 14 Punkten im Gault Millau ausgezeichnet.

Reinhard Lämmel in der Weesensteiner Schlossküche. Foto: Privat
Reinhard Lämmel in der Weesensteiner Schlossküche. Foto: Privat

Über die Küche hinaus wirkte Lämmel als kritischer Geist und Publizist. In seinem 2007 erschienenen Werk Das Sachsen-Kochbuch sowie in zahlreichen journalistischen Beiträgen setzte er sich fundiert mit dem"Mythos" der sächsischen Nationalküche auseinander. Unter anderem schrieb er regelmäßig für die Rubrik Essen und Trinken in der Sächsischen Zeitung. Er sammelte systematisch Menü- und Speisekarten. Teile seiner Sammlung zeigte er bereits 2012 öffentlich in der Sonderausstellung "Aufgetischt" auf der Burg Stolpen.

Ergänzung der Bestände zur DDR-Spitzengastronomie

Die im Nachlass Reinhard Lämmels befindlichen Stücke ergänzen die Sammlungen des Deutschen Archivs der Kulinarik im Bereich der Spitzengastronomie der ehemaligen DDR, insbesondere des Interhotels Bellevue in Dresden. Aus der dortigen Patisserie werden bereits die Rezeptkalkulationen von Christine Giersch, der profiliertesten DDR-Patissière, bewahrt. Von Erhard Müller, Chefkoch einer der vier Küchen des Bellevues, erhielt das Deutsche Archiv der Kulinarik die Kalkulationen der Endküche »EG-West«. Darin sind auch die Rezepte für das »Palaisrestaurant«, den »Bankettsaal«, für das »Café Pöppelmann«, den Bierkeller und für die Salons erhalten. Auch der Nachlass von Klaus Martin, dem ersten gastronomischen Leiter des Hotels, wird an der SLUB Dresden bewahrt. Darin befinden sich unter anderem Unterlagen zur Einrichtung des Bellevues.

Noch mehr über das Deutsche Archiv der Kulinarik können Sie auch HIER nachlesen. 


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